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Helicobacter pylori: Was ist das – und helfen Probiotika?

06.11.2026 · SonneSee Redaktion

Autor: SonneSee-Redaktion · Fachlich geprüft von Prof. Dr. med. Joachim Labenz, Gastroenterologie & Hepatologie · Stand: [Datum der Freigabe]

Das Wichtigste in Kürze

  • Helicobacter pylori ist ein Bakterium in der Magenschleimhaut. In Deutschland trägt es etwa jeder vierte bis dritte Erwachsene.
  • Laut deutscher Leitlinie soll jeder Erwachsene mit nachgewiesener Infektion eine Eradikationstherapie mit Antibiotika bekommen.
  • Probiotika ersetzen diese Therapie nicht. Begleitend können sie Nebenwirkungen wie Durchfall abmildern.
  • Der Stamm Lactobacillus reuteri DSM 17648 (Pylopass™) senkt in kleinen Studien die Keimlast, beseitigt den Keim aber nicht.

Der Atemtest ist positiv. Helicobacter pylori. Die Ärztin spricht von zwei Wochen Tabletten, mehreren Antibiotika gleichzeitig. Und abends sucht man im Netz nach einem sanfteren Weg: Mastix, Brokkolisprossen, Probiotika.

Die ehrliche Antwort vorweg: Einen sanften Ersatz für die Therapie gibt es nicht. Aber es gibt Dinge, die sie begleiten können. Und einen Bakterienstamm, an dem Forschende seit Jahren etwas Ungewöhnliches beobachten. Dieser Text sortiert, was davon belegt ist und was nicht.

Was ist Helicobacter pylori?

Helicobacter pylori ist ein Bakterium, das sich in der Magenschleimhaut einnistet. In Deutschland trägt Schätzungen zufolge etwa jeder vierte bis dritte Erwachsene den Keim. Bei Jüngeren ist er deutlich seltener geworden.

Die meisten merken nichts. Trotzdem ist der Keim kein harmloser Mitbewohner: Er verursacht bei allen Infizierten eine chronische Entzündung der Magenschleimhaut. Etwa jeder Fünfte entwickelt im Lauf der Zeit ernsthafte Beschwerden bzw. Krankheiten, bis hin zu Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren. Die Weltgesundheitsorganisation stuft Helicobacter pylori seit 1994 als krebserregend ein (Klasse I).

Deshalb ist die Frage nicht, ob man etwas tut, sondern was.

Was hilft gegen Helicobacter pylori? Die Eradikationstherapie

Die aktuelle S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) ist eindeutig: Jeder Erwachsene mit nachgewiesener Helicobacter-pylori-Infektion soll eine Eradikationstherapie bekommen. Gemeint ist eine Kombination aus einem Magensäurehemmer und mehreren Antibiotika, je nach Schema meist über 10 bis 14 Tage.

Das klingt nach viel, und die Nebenwirkungen sind real: Durchfall, Übelkeit, ein metallischer Geschmack. Trotzdem ist diese Therapie der einzige Weg, den Keim mit hoher Wahrscheinlichkeit loszuwerden. Wichtig ist vor allem eins: durchhalten. Wer Tabletten auslässt oder früher aufhört, senkt die Erfolgschance deutlich.

Welche Kombination passt, hängt davon ab, gegen welche Antibiotika der Keim resistent ist. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Vier oder mehr Wochen nach der Therapie wird kontrolliert, ob der Keim wirklich weg ist.

Helfen Probiotika gegen Helicobacter pylori?

Als Ersatz für die Antibiotika taugen Probiotika nicht. Eine Auswertung von Studien, in denen nur Probiotika eingesetzt wurden, fand eine Eradikation in 50 von 403 Fällen. Das sind rund 12 Prozent, zu wenig für eine Therapieempfehlung.

Begleitend sieht es anders aus. Mehrere Studien und große europäische Registerdaten deuten darauf hin, dass Probiotika die typischen Nebenwirkungen der Antibiotika abmildern können, vor allem Durchfall. Wer die Therapie dadurch besser durchhält, hat eine größere Chance auf Erfolg.

Ob Probiotika die Eradikationsrate selbst erhöhen, ist umstritten. Einzelne Studien sprechen dafür, die Datenlage ist aber uneinheitlich. Und nicht jedes Probiotikum ist gleich: Der Effekt hängt vom Stamm ab, nicht vom Wort auf der Packung.

Wer begleitend etwas nehmen möchte, sollte das vorher mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Was ist Pylopass (Lactobacillus reuteri DSM 17648)?

Ein Stamm fällt aus der Reihe, weil er anders funktioniert als klassische Probiotika: Lactobacillus reuteri DSM 17648, bekannt unter dem Namen Pylopass™. Die Bakterien sind abgetötet, sie besiedeln also nichts. Stattdessen binden sie über Moleküle auf ihrer Oberfläche gezielt an Helicobacter pylori. Die Idee: Der Keim kann sich so schlechter an die Magenschleimhaut binden und wird zusammen mit den Milchsäurebakterien ausgeschieden.

Was die Studien zeigen:

  • In kleinen, placebokontrollierten Studien sanken nach zwei Wochen Einnahme die Werte im Atemtest, also die Keimlast im Magen.
  • In einer Studie mit Menschen, die Helicobacter pylori trugen und leichte Verdauungsbeschwerden hatten, wurde der Stamm über 28 Tage untersucht.

Was sie nicht zeigen:

  • Eine Eradikation. Selbst die Forschenden betonen, dass eine geringere Keimlast nicht bedeutet, dass der Keim verschwunden ist.
  • Langzeitdaten zu Geschwüren oder Magenkrebs.
  • Große, unabhängige Studien. Die vorhandenen sind klein, für belastbare Aussagen reicht das noch nicht.

Unterm Strich: ein interessanter Ansatz mit plausiblem Mechanismus und ersten positiven Daten. Kein Ersatz für die Eradikationstherapie.

Überblick: Was hilft wie bei Helicobacter pylori?

Maßnahme Beseitigt den Keim? Wofür sie taugt Studienlage
Eradikationstherapie (Antibiotika + Säurehemmer) Ja, in den meisten Fällen Standardtherapie laut DGVS-Leitlinie Sehr gut
Probiotika begleitend zur Therapie Nein Weniger Nebenwirkungen wie Durchfall Mittel, uneinheitlich
Probiotika allein Selten (rund 12 %) Kein Ersatz für die Therapie Schwach
L. reuteri DSM 17648 (Pylopass™) Nein Senkt die Keimlast Kleine Studien
Hausmittel und Ernährung Nein Therapie verträglicher machen Schwach

Helicobacter pylori positiv: Was tun?

  1. Positiver Befund: Die Eradikationstherapie ist der Weg. Kein Präparat ersetzt sie.
  2. Die Therapie vollständig durchziehen, auch wenn sie unangenehm ist.
  3. Probiotika können begleitend helfen, die Nebenwirkungen zu verkraften. Vorher mit der Ärztin oder dem Arzt absprechen.
  4. Nach der Therapie den Erfolg kontrollieren lassen.

Wer im Netz auf Versprechen stößt, man könne den Keim sanft und ohne Antibiotika loswerden, darf skeptisch sein. Die Forschung zu Stämmen wie L. reuteri DSM 17648 ist spannend. Aber sie ist noch nicht so weit, wie manche Werbung klingt.

Häufige Fragen zu Helicobacter pylori

Ist Helicobacter pylori ansteckend?

Ja, vor allem im Kindesalter, über engen Kontakt in der Familie. Unter Erwachsenen, etwa in einer Partnerschaft, ist eine Ansteckung möglich, aber selten.

Welche Symptome macht Helicobacter pylori?

Die meisten Infizierten haben gar keine. Wenn doch, sind sie unspezifisch: Druck im Oberbauch, Völlegefühl, Übelkeit, Aufstoßen. Solche Beschwerden können viele Ursachen haben.

Wie wird Helicobacter pylori nachgewiesen?

Meist mit einem Atemtest oder einer Stuhlprobe, manchmal bei einer Magenspiegelung. Selbsttests aus der Apotheke ersetzen keine ärztliche Diagnose.

Erhöht Helicobacter pylori das Risiko für Magenkrebs?

Ja, der Keim ist ein bekannter Risikofaktor. Erkranken wird aber nur ein kleiner Teil der Infizierten, und eine erfolgreiche Eradikation senkt das Risiko.

Kann man Helicobacter pylori ohne Antibiotika loswerden?

Nach heutigem Wissen nicht zuverlässig. Weder Hausmittel noch Ernährung noch Probiotika ersetzen die Eradikationstherapie.

Wie lange dauert die Helicobacter-Therapie?

Je nach Schema meist 10 bis 14 Tage. Wichtig ist, alle Tabletten bis zum Ende zu nehmen.

Hilft eine bestimmte Ernährung gegen Helicobacter pylori?

Sie beseitigt den Keim nicht. Während der Therapie kann leichte Kost helfen, die Therapie verträglicher zu machen.

Helfen Hausmittel wie Mastix oder Brokkolisprossen gegen Helicobacter pylori?

In kleinen Studien zeigen sie einzelne Effekte. Den Keim beseitigen sie nicht zuverlässig und ersetzen keine Therapie.

Soll man während der Helicobacter-Therapie Probiotika nehmen?

Das kann sinnvoll sein, um Nebenwirkungen wie Durchfall abzumildern. Welches Präparat passt, am besten mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen.

Was ist Pylopass?

Der Handelsname für den abgetöteten Bakterienstamm Lactobacillus reuteri DSM 17648. Er bindet in Studien an Helicobacter pylori und senkt die Keimlast, beseitigt den Keim aber nicht.

Woran merkt man, ob die Helicobacter-Therapie gewirkt hat?

Nicht an den Beschwerden. Vier oder mehr Wochen nach Therapieende wird mit einem Atem- oder Stuhltest kontrolliert, ob der Keim weg ist.

Kann Helicobacter pylori zurückkommen?

Das ist möglich, aber nach erfolgreicher Therapie selten. Häufiger steckt hinter einem erneut positiven Test, dass die erste Therapie den Keim nicht vollständig erwischt hat.

Quellen

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