Auf einen Blick
- Botanischer Name
- Cynara cardunculus L.
- Synonym in der EMA-Monographie
- Cynara scolymus L.
- Deutscher Name
- Artischocke
- Pflanzenfamilie
- Asteraceae
- Für Pflanzenzubereitungen relevant
- vor allem das Blatt
- Typische Stoffgruppen
- Caffeoylchinasäuren, Flavonoide und weitere phenolische Verbindungen
Was ist die Artischocke?
Die Artischocke ist eine kräftige, mehrjährige Pflanze aus dem Mittelmeerraum. Sie gehört zur Gattung Cynara und ist eng mit Kardonen verwandt. Große, tief eingeschnittene Blätter und die markanten Blütenköpfe prägen ihr Erscheinungsbild.
Als Gemüse wird hauptsächlich der noch geschlossene Blütenkopf genutzt. Bei pflanzlichen Zubereitungen ist jedoch häufig ein anderer Pflanzenteil relevant: das Artischockenblatt. Diese Unterscheidung sollte bei Inhaltsstoffangaben und wissenschaftlichen Quellen immer beachtet werden.
Blütenkopf und Blatt sind nicht dasselbe

Das, was im Lebensmittelhandel als Artischocke verkauft wird, ist überwiegend der unreife Blütenkopf. Die EMA-Monographie bezieht sich dagegen ausdrücklich auf Cynarae folium, also das Blatt.
Pflanzenteile können sich in ihrer chemischen Zusammensetzung deutlich unterscheiden. Ergebnisse zu Blattextrakten lassen sich deshalb nicht einfach auf den verzehrten Blütenkopf übertragen und umgekehrt.
Welche Pflanzenstoffe kommen in Artischockenblättern vor?
Artischockenblätter enthalten verschiedene sekundäre Pflanzenstoffe. Die EMA-Bewertung und phytochemische Untersuchungen beschreiben unter anderem:
- Caffeoylchinasäuren
- Cynarin beziehungsweise Dicaffeoylchinasäuren
- Chlorogensäure
- Flavonoide und Luteolin-Derivate
- Sesquiterpenlactone
Die genaue Zusammensetzung hängt von Pflanzenteil, Reifegrad, Sorte, Verarbeitung und Extraktionsverfahren ab.
Was ist Cynarin?
Der Begriff Cynarin wird häufig im Zusammenhang mit Artischocke verwendet. Chemisch gehört Cynarin zu den Dicaffeoylchinasäuren. In älteren und modernen Arbeiten wird es als einer der charakteristischen sekundären Pflanzenstoffe grüner Pflanzenteile beschrieben.
Wichtig ist: Ein Artischockenextrakt besteht nicht nur aus Cynarin. Auch Caffeoylchinasäuren, Flavonoide, Sesquiterpenlactone und weitere Verbindungen tragen zum gesamten Pflanzenprofil bei.
Pulver, Tee und Extrakt – warum die Zubereitung zählt

Die EMA-Bewertung nennt unterschiedliche Zubereitungen aus Artischockenblättern, darunter zerkleinerte getrocknete Blätter, Pulver und verschiedene wässrige beziehungsweise hydroalkoholische Extrakte.
Diese Präparate unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich:
- Ausgangsmaterial: frische oder getrocknete Blätter
- Extraktionsmittel
- Droge-Extrakt-Verhältnis (DER)
- Trocken-, Weich- oder Flüssigextrakt
- Gehalt charakteristischer Pflanzenstoffe
Deshalb ist „Artischockenextrakt“ ohne weitere Angaben nur eine grobe Beschreibung.
Warum sind Artischockenextrakte nicht automatisch vergleichbar?
Ein Extrakt mit einem DER von beispielsweise 2,5–7,5:1 ist nicht direkt mit einem anders hergestellten Extrakt oder mit reinem Blattpulver vergleichbar. Zusätzlich beeinflusst das Extraktionsmittel, welche Stoffe besonders gut aus dem Blatt gelöst werden.
Auch eine hohe Milligrammzahl bedeutet deshalb nicht automatisch, dass zwei Artischockenprodukte chemisch ähnlich sind.
Was sagt die Forschung?

Artischockenblatt und Artischockenextrakte wurden in klinischen Studien zu unterschiedlichen Fragestellungen untersucht. Meta-Analysen existieren beispielsweise zu bestimmten Stoffwechselparametern. Gleichzeitig unterscheiden sich Extrakte, Dosierungen, Dauer und Teilnehmergruppen zwischen den Studien.
Für die Einordnung ist außerdem wichtig, dass die EMA-Monographie eine Arzneimittelbewertung darstellt. Sie bezieht sich auf definierte pflanzliche Arzneizubereitungen. Diese Bewertung darf nicht automatisch in gesundheitsbezogene Werbeaussagen für Nahrungsergänzungsmittel übertragen werden.
Die EMA hat 2024 eine erneute periodische Überprüfung der Monographie gestartet; auf der EMA-Seite ist außerdem ein 2025 veröffentlichtes Addendum zum Assessment Report hinterlegt. Wissenschaftliche Bewertungen solcher Arzneipflanzen werden also fortlaufend überprüft.
Wissenschaftlich einordnen
FAQ
Welcher Teil der Artischocke wird für pflanzliche Zubereitungen verwendet?
Bei vielen pflanzlichen Zubereitungen stehen die Blätter von Cynara cardunculus im Mittelpunkt. Die EMA verwendet dafür die Bezeichnung Cynarae folium. Das ist wichtig, weil Artischockenblätter nicht dasselbe Ausgangsmaterial sind wie der essbare Blütenstand. Bei Produkten und wissenschaftlichen Studien sollte deshalb immer klar erkennbar sein, welcher Pflanzenteil tatsächlich verwendet wurde.
Sind Artischockenblatt und Artischockenherz dasselbe?
Nein. Das Artischockenherz gehört zum fleischigen Blütenstand, der als Gemüse gegessen wird. Artischockenblätter sind ein anderer Pflanzenteil und werden für bestimmte pflanzliche Zubereitungen separat verarbeitet. Da beide Pflanzenteile unterschiedliche Stoffprofile besitzen können, lassen sich Aussagen über Artischockenblatt-Extrakte nicht automatisch auf das Artischockenherz übertragen.
Was ist ein Artischockenblatt-Extrakt?
Ein Artischockenblatt-Extrakt entsteht, wenn getrocknetes Blattmaterial mit einem definierten Extraktionsverfahren verarbeitet wird. Dabei werden bestimmte lösliche Bestandteile aus den Blättern herausgelöst und anschließend gegebenenfalls konzentriert. Welche Stoffe besonders stark im Extrakt vertreten sind, hängt unter anderem vom Ausgangsmaterial, vom Extraktionsmittel und vom Herstellungsverfahren ab.
Welche Pflanzenstoffe kommen in Artischockenblättern vor?
Artischockenblätter enthalten verschiedene phenolische Pflanzenstoffe. Dazu gehören unter anderem Caffeoylchinasäuren sowie Flavonoide. Die genaue Zusammensetzung kann je nach Pflanze, Ernte, Verarbeitung und Extraktionsverfahren variieren. Deshalb sollte die Bezeichnung „Artischockenblatt-Extrakt“ nicht als vollständig standardisierte Zusammensetzung verstanden werden, solange keine weiteren Rohstoffangaben vorliegen.
Was bedeutet die EMA-Monographie zu Artischockenblättern?
Die EMA-Monographie bezieht sich auf bestimmte pflanzliche Arzneizubereitungen aus Artischockenblättern von Cynara cardunculus. Sie beschreibt unter anderem verwendetes Pflanzenmaterial und bewertete Zubereitungsformen. Diese Arzneimittelbewertung ist jedoch nicht automatisch eine Freigabe für gesundheitsbezogene Werbeaussagen bei Nahrungsergänzungsmitteln. Arzneimittelrecht und Lebensmittelrecht müssen getrennt betrachtet werden.
Quellen
Hinweis
Diese Seite dient der allgemeinen Information über Artischocke (Cynara cardunculus) und den aktuellen Stand der Forschung. Sie stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.

Pflanzenextrakte verstehenWorauf kommt es bei Pflanzenextrakten wirklich an?
Bei der Artischocke ist die Unterscheidung des verwendeten Pflanzenteils besonders wichtig. Als Lebensmittel kennt man vor allem den fleischigen Blütenstand beziehungsweise das Artischockenherz. In vielen pflanzlichen Zubereitungen und auch in der EMA-Monographie steht dagegen das Blatt von Cynara cardunculus im Mittelpunkt. Blattpulver, Blatt-Extrakte und essbare Blütenköpfe sind deshalb nicht als gleichartige Rohstoffe zu verstehen.
Ausgangsmaterial: Artischockenblätter
Für viele pflanzliche Zubereitungen werden die Blätter von Cynara cardunculus verwendet. In wissenschaftlichen und regulatorischen Quellen findet sich dafür die Bezeichnung Cynarae folium. Die genaue Angabe des Pflanzenteils ist wichtig, weil Blatt, Blütenstand und andere Pflanzenteile unterschiedliche Zusammensetzungen besitzen können. Wer Artischockenprodukte oder Studien vergleichen möchte, sollte deshalb zuerst prüfen, ob tatsächlich Artischockenblätter oder ein anderer Pflanzenteil verarbeitet wurde.
Blatt ist nicht gleich Artischockenherz
Das Artischockenherz, das als Lebensmittel gegessen wird, gehört zum fleischigen Blütenstand der Pflanze. Artischockenblatt-Extrakte werden dagegen aus den Blättern hergestellt. Beide stammen zwar von derselben Pflanzenart, sind botanisch und analytisch jedoch unterschiedliche Ausgangsmaterialien. Aussagen über einen Blattextrakt können deshalb nicht automatisch auf das Lebensmittel Artischocke übertragen werden – und umgekehrt.
Blattpulver und Extrakt
Artischockenblatt-Pulver entsteht durch Trocknen und Zerkleinern der Blätter. Ein Extrakt wird zusätzlich mit einem definierten Verfahren hergestellt, bei dem bestimmte lösliche Bestandteile aus dem Pflanzenmaterial herausgelöst und gegebenenfalls konzentriert werden. Dadurch kann ein Extrakt ein anderes Stoffprofil besitzen als einfach gemahlenes Blattmaterial. Eine identische Milligramm-Angabe bedeutet deshalb nicht, dass Pulver und Extrakt gleich zusammengesetzt sind.
DER und Extraktionsmittel
Das Droge-Extrakt-Verhältnis beschreibt, wie viel getrocknetes Blattmaterial für eine bestimmte Menge Extrakt eingesetzt wurde. Zusätzlich beeinflusst das verwendete Extraktionsmittel, welche Bestandteile aus dem Blatt besonders gut in den Extrakt übergehen. Wasser, Alkohol-Wasser-Gemische oder andere geeignete Verfahren können unterschiedliche Extraktprofile erzeugen. Deshalb sollten DER und Extraktionsmittel gemeinsam betrachtet werden, wenn verschiedene Artischockenblatt-Extrakte verglichen werden.
Phenolische Pflanzenstoffe und analytische Marker
Artischockenblätter enthalten verschiedene phenolische Pflanzenstoffe, darunter Caffeoylchinasäuren und Flavonoide. Bestimmte Inhaltsstoffe können zur analytischen Beschreibung und Qualitätskontrolle eines Rohstoffs herangezogen werden. Die genaue Zusammensetzung hängt jedoch von Pflanzenmaterial, Verarbeitung und Extraktion ab. Ein einzelner Marker beschreibt deshalb nicht das komplette Profil eines Artischockenblatt-Extrakts, kann aber helfen, einen konkreten Rohstoff besser zu charakterisieren.
Warum reicht die mg-Angabe nicht?
500 mg getrocknetes Artischockenblatt, 500 mg Blattpulver und 500 mg eines konzentrierten Trockenextrakts können sehr unterschiedliche Rohstoffformen darstellen. Für einen sinnvollen Vergleich sollten deshalb Pflanzenteil, Extrakttyp, Droge-Extrakt-Verhältnis, Extraktionsmittel und gegebenenfalls Standardisierung gemeinsam betrachtet werden. Eine isolierte Milligramm-Angabe reicht nicht aus, um die tatsächliche Zusammensetzung oder Vergleichbarkeit zweier Artischockenprodukte zu beurteilen.
