Auf einen Blick
- Botanischer Name
- Urtica dioica L.
- Deutscher Name
- Große Brennnessel
- Pflanzenfamilie
- Urticaceae
- Verwendete Pflanzenteile
- Blatt, Kraut und Wurzel
- Typische Stoffgruppen
- u. a. phenolische Verbindungen, Flavonoide, Sterole, Fettsäuren und weitere Pflanzenstoffe
- Rohstoffformen
- getrocknete Blätter/Kraut, Wurzel, Pulver und verschiedene Extrakte
Was ist Brennnessel?
Urtica dioica ist eine mehrjährige, rhizombildende Pflanze, die in großen Teilen Europas und Asiens verbreitet ist. Charakteristisch sind ihre Brennhaare, die bei Berührung reizende Stoffe freisetzen können. Für die wissenschaftliche Einordnung ist entscheidend, dass nicht „die Brennnessel“ als einheitlicher Rohstoff betrachtet wird: Blatt, oberirdisches Kraut und Wurzel werden separat beschrieben und können unterschiedliche Inhaltsstoffprofile und Zubereitungsformen besitzen.
Blatt, Kraut oder Wurzel?

Die EMA führt getrennte Monographien zu Brennnesselkraut (Urticae herba), Brennnesselblatt (Urticae folium) und Brennnesselwurzel (Urticae radix). Diese Trennung macht deutlich, dass Pflanzenteile nicht beliebig austauschbar sind. Ein Blatt- oder Krautextrakt sollte deshalb nicht automatisch mit einem Wurzelextrakt gleichgesetzt werden. Auch Studienergebnisse gelten zunächst für den jeweils konkret untersuchten Pflanzenteil.
Welche Pflanzenstoffe kommen vor?

Brennnessel enthält eine breite Vielfalt an Pflanzenstoffen. Reviews beschreiben unter anderem phenolische Verbindungen, Flavonoide, Sterole, Fettsäuren, Terpenoide, Lignane und weitere Stoffgruppen. Das genaue Profil unterscheidet sich je nach Pflanzenteil und Verarbeitung. Wurzel, Blatt und Kraut können daher analytisch unterschiedliche Schwerpunkte besitzen. Eine pauschale Aussage „Brennnessel enthält X“ sollte immer im Zusammenhang mit dem untersuchten Rohstoff verstanden werden.
Was sagt die Forschung?

Die Forschung zu Urtica dioica umfasst unterschiedliche Pflanzenteile, Extrakte und Fragestellungen. Ein Teil der Literatur untersucht Blatt oder Kraut, andere Arbeiten befassen sich mit Wurzelzubereitungen. Zusätzlich existieren zahlreiche präklinische Untersuchungen zu einzelnen Inhaltsstoffen und Stoffgruppen. Für die Bewertung ist deshalb entscheidend, klinische Daten von Labor- und Tierdaten zu unterscheiden und Ergebnisse nur auf vergleichbare Rohstoffe zu übertragen.
Wissenschaftlich einordnen
FAQ
Ist Brennnessel dasselbe wie Urtica dioica?
Urtica dioica L. ist die botanische Bezeichnung für die Große Brennnessel und eine der wichtigsten Arten, die unter dem deutschen Namen Brennnessel verstanden werden. In EMA-Dokumenten werden teilweise sowohl Urtica dioica als auch Urtica urens genannt. Für einen konkreten Rohstoff sollte deshalb die botanische Art möglichst eindeutig angegeben sein.
Welcher Teil der Brennnessel wird verwendet?
Je nach Zubereitung können Blatt, oberirdisches Kraut oder Wurzel verwendet werden. Diese Rohstoffe werden in der europäischen Pflanzenmedizin getrennt beschrieben. Das ist wichtig, weil sie nicht dieselbe Zusammensetzung besitzen. Wer Brennnesselprodukte vergleicht, sollte daher zuerst prüfen, ob es sich um Blatt, Kraut, Wurzel, Pulver oder einen daraus hergestellten Extrakt handelt.
Sind Brennnesselblatt und Brennnesselwurzel vergleichbar?
Nicht direkt. Blatt und Wurzel sind unterschiedliche Pflanzenorgane und besitzen daher unterschiedliche Stoffprofile. Auch die EMA führt sie in getrennten Monographien. Eine Milligramm-Angabe wie „500 mg Brennnessel“ ist ohne Pflanzenteil deshalb nur begrenzt aussagekräftig. Für Forschung und Produktvergleich sollte immer geklärt werden, welches Pflanzenmaterial tatsächlich verwendet wurde.
Welche Pflanzenstoffe kommen in Brennnessel vor?
In der wissenschaftlichen Literatur werden für Urtica dioica zahlreiche Stoffgruppen beschrieben, darunter phenolische Verbindungen, Flavonoide, Sterole, Fettsäuren, Terpenoide und Lignane. Die genaue Zusammensetzung hängt vom Pflanzenteil, Standort, Erntezeitpunkt und der Verarbeitung ab. Deshalb kann das analytische Profil eines Wurzelextrakts deutlich von einem Blatt- oder Krautextrakt abweichen.
Was bedeutet eine EMA-Monographie zur Brennnessel?
Die EMA bewertet definierte pflanzliche Arzneizubereitungen und trennt dabei beispielsweise Kraut, Blatt und Wurzel. Diese Monographien liefern wichtige Informationen zu Pflanzenmaterial, Zubereitungsformen und wissenschaftlicher Bewertung im Arzneimittelkontext. Sie sind jedoch keine automatische Health-Claim-Freigabe für Nahrungsergänzungsmittel; dafür gelten eigene lebensmittelrechtliche Anforderungen.
Quellen
Hinweis
Diese Seite dient der allgemeinen Information über Brennnessel (Urtica dioica) und den aktuellen Stand der Forschung. Sie stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.

Pflanzenextrakte verstehenWorauf kommt es bei Pflanzenextrakten wirklich an?
Bei Brennnessel ist der verwendete Pflanzenteil entscheidend. Blatt, Kraut und Wurzel werden in wissenschaftlichen und regulatorischen Quellen getrennt behandelt und können unterschiedliche Stoffprofile besitzen. Pulver und Extrakte sind ebenfalls nicht gleichzusetzen. Für einen sinnvollen Vergleich müssen deshalb Pflanzenteil, Extraktionsverfahren, DER und gegebenenfalls Standardisierung gemeinsam betrachtet werden.
Ausgangsmaterial: Blatt, Kraut oder Wurzel?
Brennnessel kann je nach Zubereitung aus unterschiedlichen Pflanzenteilen bestehen. Das Blatt ist nur ein Teil des oberirdischen Krauts, während die Wurzel einen eigenständigen unterirdischen Rohstoff darstellt. Da diese Pflanzenorgane analytisch nicht identisch sind, sollte ein Produkt oder eine Studie immer möglichst genau angeben, welcher Pflanzenteil verwendet wurde.
Pulver und Extrakt sind nicht dasselbe
Getrocknetes Blatt-, Kraut- oder Wurzelpulver entsteht durch Zerkleinern des Pflanzenmaterials. Ein Extrakt wird dagegen durch einen zusätzlichen Herstellungsprozess erzeugt, bei dem bestimmte lösliche Bestandteile gezielt herausgelöst und gegebenenfalls konzentriert werden. 500 mg Brennnesselblatt-Pulver und 500 mg Wurzelextrakt können deshalb weder mengenmäßig noch inhaltlich direkt miteinander verglichen werden.
Was bedeutet DER?
Das Droge-Extrakt-Verhältnis beschreibt die quantitative Beziehung zwischen dem eingesetzten Pflanzenmaterial und dem gewonnenen Extrakt. Diese Angabe hilft dabei, einen bestimmten Brennnessel-Extrakt genauer zu charakterisieren. Ein DER-Wert sollte jedoch nie isoliert betrachtet werden, weil Pflanzenteil, Extraktionsmittel und Herstellungsverfahren ebenfalls bestimmen, welche Stoffe im fertigen Extrakt enthalten sind.
Extraktionsmittel
Das Extraktionsmittel beeinflusst, welche Bestandteile aus Blatt, Kraut oder Wurzel in den Extrakt übergehen. Unterschiedliche Lösungsmittel oder Lösungsmittelgemische können verschiedene Stoffgruppen bevorzugt erfassen. Deshalb können zwei Brennnessel-Extrakte trotz gleicher Pflanzenart und identischer Milligramm-Angabe ein unterschiedliches analytisches Profil besitzen.
Standardisierung und Marker
Bestimmte Brennnessel-Rohstoffe oder Extrakte können über analytische Marker oder definierte Stoffgruppen näher beschrieben werden. Eine solche Standardisierung verbessert die Reproduzierbarkeit eines konkreten Extrakttyps, macht aber nicht alle Brennnesselprodukte vergleichbar. Ein Blatt-Extrakt bleibt beispielsweise ein anderer Rohstoff als ein standardisierter Wurzelextrakt.
Warum reicht die mg-Angabe nicht?
Die Angabe „500 mg Brennnessel“ sagt ohne weitere Informationen wenig darüber aus, was tatsächlich enthalten ist. Es könnte sich um Blattpulver, Kraut, Wurzel oder einen konzentrierten Extrakt handeln. Für einen sinnvollen Vergleich sollten daher Pflanzenteil, Rohstoffform, DER, Extraktionsmittel und gegebenenfalls Standardisierung gemeinsam bewertet werden.
