Auf einen Blick
- Botanischer Name
- Ginkgo biloba L.
- Deutscher Name
- Ginkgo / Ginkgobaum
- Pflanzenfamilie
- Ginkgoaceae
- Verwendeter Pflanzenteil
- Blatt (Ginkgo folium)
- Typische Stoffgruppen
- u. a. Flavonoidglykoside und Terpenlactone
- Rohstoffformen
- getrocknetes Blatt, Blattpulver, definierte Trockenextrakte
Was ist Ginkgo biloba?

Ginkgo biloba ist ein sommergrüner Baum mit charakteristischen fächerförmigen Blättern. Kew führt die Art als akzeptiert und beschreibt ihr natürliches Verbreitungsgebiet in Südostchina. Heute wird Ginkgo weltweit kultiviert. Für botanische Rohstoffe und wissenschaftliche Zubereitungen wird in erster Linie das Blatt verwendet. Die genaue Rohstoffform ist wichtig, weil ein gemahlenes Blatt nicht dieselbe Zusammensetzung besitzen muss wie ein mit einem definierten Verfahren hergestellter Trockenextrakt.
Warum steht das Blatt im Mittelpunkt?
Die EMA-Monographie bezieht sich ausdrücklich auf Ginkgo biloba L., folium – also das Ginkgoblatt. In der europäischen Pflanzenmedizin werden sowohl pulverisierte getrocknete Blätter als auch bestimmte Trockenextrakte beschrieben. Für Verbraucher bedeutet das: Die Bezeichnung „Ginkgo“ allein reicht zur Charakterisierung eines Rohstoffs nicht aus. Entscheidend sind Pflanzenteil, Herstellungsverfahren und – bei Extrakten – zusätzliche Angaben zur Extraktion und Standardisierung.
Welche Pflanzenstoffe werden bei Ginkgo häufig beschrieben?

Ginkgoblätter enthalten ein komplexes Gemisch sekundärer Pflanzenstoffe. Zur analytischen Beschreibung standardisierter Extrakte werden besonders Flavonoidglykoside und Terpenlactone herangezogen. Gleichzeitig können unerwünschte Begleitstoffe wie Ginkgolsäuren als Qualitätsparameter relevant sein. Solche Marker helfen dabei, einen konkreten Extrakt zu charakterisieren, beschreiben aber nicht das gesamte natürliche Stoffprofil des Blattes.
Was sagt die Forschung?

Ginkgo gehört zu den intensiv untersuchten pflanzlichen Rohstoffen. Ein wichtiger Punkt bei der Interpretation ist jedoch, dass viele klinische Arbeiten nicht „Ginkgo allgemein“, sondern spezifische, standardisierte Ginkgo-Blattextrakte untersuchen. Eine 2025 veröffentlichte Übersicht systematischer Reviews bezog sich beispielsweise ausdrücklich auf den definierten Extrakt EGb 761. Ergebnisse zu einem solchen Spezialextrakt lassen sich deshalb nicht automatisch auf beliebige Ginkgo-Pulver oder anders hergestellte Nahrungsergänzungsmittel übertragen.
Wissenschaftlich einordnen
FAQ
Ist Ginkgo dasselbe wie Ginkgo biloba?
Ja. Ginkgo biloba L. ist der botanische Name des Ginkgobaums und zugleich die einzige heute lebende Art der Gattung Ginkgo. Für pflanzliche Rohstoffe ist die botanische Art jedoch nur der erste Teil der Beschreibung. Zusätzlich sollte klar sein, welcher Pflanzenteil verwendet wurde und ob es sich um Blattpulver oder einen Extrakt handelt. Besonders bei wissenschaftlichen Studien ist diese Unterscheidung wichtig, weil häufig definierte Blatt-Extrakte und nicht beliebige Ginkgo-Produkte untersucht werden.
Welcher Teil von Ginkgo biloba wird verwendet?
Für pflanzliche Zubereitungen steht vor allem das Blatt im Mittelpunkt. Die EMA bezeichnet den Rohstoff als Ginkgo folium. Getrocknete Blätter können pulverisiert oder zu Extrakten weiterverarbeitet werden. Da Pulver und Extrakt unterschiedliche Herstellungsstufen darstellen, sollte die Angabe „Ginkgo“ auf einem Produkt möglichst durch Informationen zu Pflanzenteil und Rohstoffform ergänzt werden.
Ist Ginkgo-Blattpulver dasselbe wie Ginkgo-Extrakt?
Nein. Blattpulver entsteht durch Trocknen und Zerkleinern des Pflanzenmaterials. Ein Extrakt wird mit einem definierten Extraktionsverfahren hergestellt, bei dem bestimmte lösliche Bestandteile aus dem Blatt herausgelöst und anschließend konzentriert werden können. Deshalb sind 500 mg Blattpulver und 500 mg Trockenextrakt nicht direkt vergleichbar. Auch Studien mit standardisierten Extrakten können nicht automatisch auf einfaches Blattpulver übertragen werden.
Was bedeutet Standardisierung bei Ginkgo?
Standardisierung bedeutet, dass bestimmte analytische Merkmale eines Extrakts innerhalb definierter Bereiche kontrolliert werden. Bei Ginkgo können dazu charakteristische Gruppen wie Flavonoidglykoside und Terpenlactone gehören; zusätzlich können unerwünschte Begleitstoffe begrenzt werden. Dadurch lässt sich ein bestimmter Extrakttyp genauer und reproduzierbarer beschreiben. Standardisierung bedeutet jedoch nicht, dass jeder Ginkgo-Extrakt denselben Herstellungsprozess oder dasselbe vollständige Stoffprofil besitzt.
Warum sind Studien zu Ginkgo nicht automatisch auf jedes Produkt übertragbar?
Viele klinische Studien wurden mit genau definierten, standardisierten Ginkgo-Blattextrakten durchgeführt. Solche Extrakte können sich in Extraktionsmittel, Stoffprofil und Qualitätsparametern deutlich von Blattpulver oder anderen Extrakten unterscheiden. Deshalb gilt ein Forschungsergebnis zunächst für die tatsächlich untersuchte Zubereitung. Für einen sachlichen Vergleich sollte geprüft werden, ob Rohstoff, Extraktionsverfahren und Standardisierung dem untersuchten Produkt entsprechen.
Was bedeutet die EMA-Bewertung von Ginkgoblättern?
Die EMA-Monographie beschreibt die wissenschaftliche und regulatorische Bewertung bestimmter Ginkgo-Blattzubereitungen als pflanzliche Arzneimittel. Sie ist eine wichtige Quelle für Pflanzenmaterial, Zubereitungsformen und Qualitätsaspekte. Daraus dürfen jedoch nicht automatisch gesundheitsbezogene Werbeaussagen für Nahrungsergänzungsmittel abgeleitet werden, da Arzneimittel- und Lebensmittelrecht unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe verwenden.
Quellen
[1] Royal Botanic Gardens, Kew – Ginkgo biloba L., Plants of the World Online.
[2] European Medicines Agency (EMA) – Ginkgo folium.
[3] European Medicines Agency (EMA) – Final EU herbal monograph and assessment report on Ginkgo biloba L., folium.
[5] EMA public summary: Ginkgo leaf medicines containing powdered dried leaf or defined dry extract.
Hinweis
Diese Seite dient der allgemeinen Information über Ginkgo (Ginkgo biloba) und den aktuellen Stand der Forschung. Sie stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.

Pflanzenextrakte verstehenWorauf kommt es bei Pflanzenextrakten wirklich an?
Bei Ginkgo ist die Rohstoffform besonders wichtig. Getrocknetes Blatt, Blattpulver und definierte Ginkgo-Extrakte können sich deutlich unterscheiden. Für einen sinnvollen Vergleich sollten deshalb Pflanzenteil, Extraktionsverfahren, Standardisierung und Qualitätsparameter gemeinsam betrachtet werden – nicht nur die Menge in Milligramm.
Ausgangsmaterial: das Ginkgoblatt
Für pflanzliche Zubereitungen wird vor allem das Blatt von Ginkgo biloba verwendet. Diese eindeutige Pflanzenteil-Angabe ist wichtig, weil andere Bestandteile des Baumes nicht automatisch dasselbe Stoffprofil besitzen. Studien und Monographien, die sich auf Ginkgo folium beziehen, sollten daher nicht pauschal auf andere Pflanzenbestandteile übertragen werden.
Pulver und Extrakt sind nicht dasselbe
Ginkgo-Blattpulver besteht aus getrocknetem und zerkleinertem Blattmaterial. Bei einem Extrakt werden bestimmte lösliche Bestandteile mit einem definierten Verfahren aus dem Blatt herausgelöst und gegebenenfalls konzentriert. Dadurch können Pulver und Extrakt trotz derselben botanischen Herkunft deutlich unterschiedliche Stoffprofile besitzen.
Extraktionsmittel und Herstellungsverfahren
Das verwendete Extraktionsmittel beeinflusst, welche Pflanzenstoffe aus dem Blatt in den Extrakt übergehen. Die EMA beschreibt beispielsweise eine spezifische Trockenextrakt-Zubereitung, bei der die Extraktion unter definierten Bedingungen erfolgt. Andere Extraktionsverfahren können zu anderen analytischen Profilen führen. Deshalb ist die Bezeichnung „Ginkgo-Extrakt“ allein noch keine vollständige Rohstoffbeschreibung.
Standardisierung auf charakteristische Stoffgruppen
Bestimmte Ginkgo-Extrakte werden über charakteristische Stoffgruppen wie Flavonoidglykoside und Terpenlactone näher beschrieben. Eine Standardisierung soll definierte Bereiche einhalten und damit die Reproduzierbarkeit eines konkreten Extrakttyps verbessern. Sie ersetzt jedoch nicht die Angaben zu Ausgangsmaterial, Extraktionsverfahren und Gesamtprofil.
Qualitätsparameter und unerwünschte Begleitstoffe
Bei pflanzlichen Extrakten zählt nicht nur, welche gewünschten Stoffgruppen enthalten sind. Auch unerwünschte Begleitstoffe können analytisch relevant sein. Bei Ginkgo werden beispielsweise Ginkgolsäuren als Qualitätsparameter berücksichtigt. Ein gut charakterisierter Extrakt wird deshalb nicht nur über eine einzelne Wirkstoffgruppe oder Milligrammzahl beschrieben.
Warum reicht die mg-Angabe nicht?
500 mg Ginkgo-Blattpulver, 500 mg eines einfachen Trockenextrakts und 500 mg eines standardisierten Spezialextrakts können analytisch völlig verschiedene Rohstoffformen darstellen. Für einen sinnvollen Vergleich sollten deshalb Blattmaterial, Extraktart, Extraktionsverfahren, Standardisierung und Qualitätsparameter gemeinsam betrachtet werden.
