Auf einen Blick
- Botanischer Name
- Camellia sinensis (L.) Kuntze
- Deutscher Name
- Teepflanze / Grüner Tee
- Pflanzenfamilie
- Theaceae
- Verwendeter Pflanzenteil
- Blatt
- EMA-Bezeichnung
- Camelliae sinensis non fermentatum folium
- Typische Stoffgruppen
- Catechine, weitere Polyphenole, Koffein und andere Blattbestandteile
- Bekannter Catechin-Marker
- Epigallocatechingallat (EGCG)
Was ist Grüner Tee?

Grüner Tee stammt von derselben Pflanzenart wie schwarzer, weißer oder Oolong-Tee: Camellia sinensis. Der wesentliche Unterschied liegt in der Verarbeitung nach der Ernte. Bei Grüntee wird die enzymatische Oxidation der Blätter früh durch Hitze begrenzt. Dadurch bleibt das Stoffprofil des Blattmaterials anders als bei stärker oxidierten Tees. Der Begriff „Grüner Tee“ beschreibt deshalb nicht nur die Pflanzenart, sondern auch eine bestimmte Verarbeitung des Teeblatts.
Was bedeutet „nicht fermentiertes Blatt“?
Die EMA führt Grüntee unter der Bezeichnung Camelliae sinensis non fermentatum folium. Im traditionellen Teesprachgebrauch wird häufig von „Fermentation“ gesprochen; bei klassischem Tee handelt es sich technisch überwiegend um enzymatische Oxidationsprozesse und nicht um eine mikrobielle Fermentation im engeren Sinn. Für die Rohstoffbeschreibung ist entscheidend, dass Grüntee-Blätter nur begrenzt oxidiert werden und sich dadurch von stärker oxidierten Teeformen unterscheiden.
Catechine, EGCG und Koffein

Grüner Tee enthält verschiedene polyphenolische Stoffe, darunter Catechine. EGCG (Epigallocatechingallat) ist einer der bekanntesten und häufig analytisch bestimmten Catechine. Daneben enthält das Blatt weitere Catechine sowie Koffein. Der tatsächliche Gehalt hängt unter anderem von Pflanzensorte, Standort, Ernte, Blattalter, Verarbeitung und Extraktionsverfahren ab. Die Angabe „Grüntee-Extrakt“ allein beschreibt deshalb noch nicht, wie viel EGCG, Gesamtcatechine oder Koffein tatsächlich enthalten sind.
Teeaufguss, Pulver und Extrakt sind nicht dasselbe
Ein traditionell zubereiteter Teeaufguss enthält nur die Bestandteile, die unter den jeweiligen Aufgussbedingungen aus dem Blatt in das Wasser übergehen. Blattpulver enthält dagegen zerkleinertes Pflanzenmaterial. Ein Extrakt wird mit einem definierten Verfahren hergestellt und kann einzelne Stoffgruppen deutlich stärker konzentrieren. Genau deshalb sollten Daten zu einem Grüntee-Aufguss nicht automatisch auf hoch konzentrierte Nahrungsergänzungsmittel oder standardisierte Extrakte übertragen werden.
Was sagt die Forschung?

Grüner Tee und seine Catechine gehören zu den intensiv untersuchten Pflanzenrohstoffen. Studien unterscheiden sich jedoch stark hinsichtlich Zubereitung, Extrakt, Catechinprofil, EGCG-Menge, Koffeingehalt, Einnahmebedingungen und untersuchter Population. Für eine sachliche Einordnung ist daher wichtiger, die konkret untersuchte Zubereitung zu benennen, als pauschal von „Grüntee“ zu sprechen. Besonders bei konzentrierten Extrakten spielen auch Sicherheitsdaten eine wichtige Rolle.
Sicherheit von Grüntee-Catechinen richtig einordnen
Die EFSA kam zu dem Schluss, dass Catechine aus traditionell zubereiteten Grüntee-Aufgüssen bei üblichen Verzehrmengen im Allgemeinen als sicher gelten. Bei Nahrungsergänzungsmitteln mit konzentrierten Catechinen ist die Situation anders: Für Dosen von 800 mg EGCG pro Tag oder mehr wurde in Interventionsstudien ein statistisch signifikanter Anstieg bestimmter Leberenzymwerte beobachtet. Teeaufguss und konzentrierter Extrakt sollten deshalb auch aus Sicherheitsgründen nicht gleichgesetzt werden.
Wissenschaftlich einordnen
FAQ
Ist Grüner Tee eine eigene Pflanzenart?
Nein. Grüner Tee wird aus Camellia sinensis hergestellt – derselben Pflanzenart, aus der auch schwarzer, weißer und Oolong-Tee entstehen. Entscheidend ist vor allem die Verarbeitung nach der Ernte. Bei Grüntee wird die enzymatische Oxidation der Blätter früh begrenzt. Dadurch unterscheidet sich das chemische Profil des Endprodukts von stärker oxidierten Teeformen, obwohl das botanische Ausgangsmaterial grundsätzlich dieselbe Art ist.
Welcher Pflanzenteil wird für Grünen Tee verwendet?
Verwendet werden die Blätter und je nach Erntequalität auch junge Triebspitzen der Teepflanze Camellia sinensis. Die EMA-Monographie bezeichnet den Rohstoff als „nicht fermentiertes Blatt“. Für Extrakte sollte zusätzlich angegeben werden, wie das Blatt verarbeitet und extrahiert wurde, weil Blattpulver, Teeaufguss und konzentrierter Extrakt analytisch nicht gleichzusetzen sind.
Was ist EGCG?
EGCG steht für Epigallocatechingallat und gehört zur Gruppe der Catechine, also polyphenolischer Pflanzenstoffe des Teeblatts. EGCG wird häufig als analytischer Marker für Grüntee-Extrakte verwendet. Der EGCG-Gehalt ist jedoch nicht in jedem Tee oder Extrakt gleich. Pflanzensorte, Ernte, Verarbeitung und Extraktionsverfahren können die Konzentration deutlich beeinflussen. Eine EGCG-Angabe beschreibt deshalb nur einen Teil des gesamten Grüntee-Profils.
Ist Grüntee-Extrakt dasselbe wie eine Tasse Grüner Tee?
Nein. Ein Teeaufguss entsteht, indem lösliche Bestandteile unter bestimmten Bedingungen aus den Blättern in Wasser übergehen. Ein Grüntee-Extrakt wird gezielt hergestellt und kann Catechine, EGCG oder andere Stoffgruppen deutlich stärker konzentrieren. Deshalb dürfen Milligramm-Angaben oder Studien zu konzentrierten Extrakten nicht ohne Weiteres auf normalen Tee übertragen werden – und umgekehrt.
Warum ist bei Grüntee-Extrakten die EGCG-Menge wichtig?
EGCG ist einer der wichtigsten analytischen Parameter konzentrierter Grüntee-Extrakte. Die Menge ist nicht nur für die Charakterisierung des Rohstoffs relevant, sondern auch für die Sicherheitsbewertung. Die EFSA unterscheidet ausdrücklich zwischen traditionell zubereiteten Grüntee-Aufgüssen und hoch dosierten Catechin-Nahrungsergänzungsmitteln. Für konzentrierte Präparate sollte deshalb die tatsächliche tägliche EGCG-Menge nachvollziehbar sein.
Was bedeutet die EMA-Monographie zu Grünem Tee?
Die EMA-Monographie bewertet definierte pflanzliche Arzneizubereitungen aus nicht fermentiertem Camellia-sinensis-Blatt. Sie hilft dabei, Pflanzenmaterial, Zubereitungen und wissenschaftlichen Kontext einzuordnen. Daraus dürfen jedoch nicht automatisch gesundheitsbezogene Werbeaussagen für Nahrungsergänzungsmittel abgeleitet werden, weil Arzneimittel- und Lebensmittelrecht unterschiedlichen Regeln folgen.
Quellen
[1] Royal Botanic Gardens, Kew — Camellia sinensis (L.) Kuntze, Plants of the World Online.
[2] European Medicines Agency — Camelliae sinensis non fermentatum folium.
[3] European Food Safety Authority — EFSA assesses safety of green tea catechins (2018).
[4] EFSA scientific opinion / PubMed record — Safety of green tea catechins.
[5] United States Pharmacopeia comprehensive review of green tea extract hepatotoxicity.
Hinweis
Diese Seite dient der allgemeinen Information über Grünen Tee (Camellia sinensis) und den aktuellen Stand der Forschung. Sie stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.

Pflanzenextrakte verstehenWorauf kommt es bei Pflanzenextrakten wirklich an?
Bei Grünem Tee ist die Rohstoffform besonders wichtig. Ein klassischer Teeaufguss, gemahlenes Blatt und ein konzentrierter Grüntee-Extrakt können sehr unterschiedliche Mengen an Catechinen, EGCG und Koffein liefern. Für einen sinnvollen Vergleich sollten deshalb Blattmaterial, Verarbeitung, Extraktionsverfahren, DER und eine mögliche Standardisierung gemeinsam betrachtet werden.
Ausgangsmaterial: das Teeblatt
Für Grünen Tee werden Blätter von Camellia sinensis verwendet. Alter der Blätter, Erntezeitpunkt und Verarbeitung können das natürliche Stoffprofil beeinflussen. Bei wissenschaftlichen Rohstoffen sollte deshalb möglichst klar erkennbar sein, welches Blattmaterial verwendet wurde und ob es sich um nicht fermentiertes beziehungsweise nur gering oxidiertes Blatt handelt.
Teeaufguss, Blattpulver und Extrakt
Ein Teeaufguss enthält nur die Bestandteile, die beim Aufbrühen in Wasser übergehen. Blattpulver besteht aus zerkleinertem Pflanzenmaterial. Ein Extrakt wird dagegen mit einem definierten Herstellungsverfahren erzeugt und kann bestimmte Stoffgruppen konzentrieren. Diese drei Formen dürfen deshalb nicht nur anhand ihrer Gramm- oder Milligramm-Angabe miteinander verglichen werden.
Catechine und EGCG
Catechine sind eine wichtige Gruppe polyphenolischer Blattbestandteile. EGCG ist einer ihrer bekanntesten Vertreter und wird häufig zur Charakterisierung von Grüntee-Extrakten angegeben. Ein hoher EGCG-Wert beschreibt jedoch nicht das gesamte Extraktprofil. Auch andere Catechine, Koffein und die übrigen Blattbestandteile beeinflussen die analytische Beschreibung eines konkreten Rohstoffs.
DER und Extraktionsmittel
Das Droge-Extrakt-Verhältnis beschreibt die quantitative Beziehung zwischen eingesetztem Blattmaterial und gewonnenem Extrakt. Das Extraktionsmittel beeinflusst zusätzlich, welche Stoffe besonders gut aus dem Teeblatt herausgelöst werden. Deshalb können zwei Grüntee-Extrakte mit derselben Milligramm-Menge ein deutlich unterschiedliches Catechinprofil besitzen.
Standardisierung
Bei standardisierten Grüntee-Extrakten werden bestimmte analytische Parameter innerhalb definierter Bereiche kontrolliert, beispielsweise Gesamtcatechine oder EGCG. Das erleichtert die Beschreibung und Reproduzierbarkeit eines konkreten Extrakttyps. Es bedeutet jedoch nicht, dass alle standardisierten Grüntee-Extrakte identisch sind, da sich auch Koffeingehalt, Extraktionsverfahren und weitere Bestandteile unterscheiden können.
Warum reicht die mg-Angabe nicht?
500 mg Grünteeblatt-Pulver, 500 mg Trockenextrakt und 500 mg eines stark auf Catechine standardisierten Extrakts können völlig unterschiedliche Rohstoffprofile darstellen. Für einen sinnvollen Vergleich sollten daher Blattmaterial, Extraktart, DER, Extraktionsmittel, Catechin- beziehungsweise EGCG-Gehalt und Koffeingehalt gemeinsam betrachtet werden.
