Pflanzenextrakt

Kurkuma (Curcuma longa) – Rhizom, Curcumin und Extrakte verstehen

Kurkuma, botanisch Curcuma longa L., gehört zur Familie der Ingwergewächse (Zingiberaceae). Verwendet wird vor allem das unterirdische Rhizom. Es enthält ein komplexes Gemisch verschiedener Pflanzenstoffe, darunter Curcuminoide. Curcumin ist ein Bestandteil von Kurkuma – Kurkuma und Curcumin sind daher nicht dasselbe.

Curcuma longa mit grünen Blättern, Blütenstand und sichtbaren orangefarbenen Rhizomen

Kew führt Curcuma longa L. als akzeptierte Art und beschreibt sie als rhizombildenden Geophyten. Auch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) führt eine Monographie zu Curcuma longa L., rhizoma.

Auf einen Blick

Botanischer Name
Curcuma longa L.
Deutscher Name
Kurkuma / Gelbwurz
Pflanzenfamilie
Zingiberaceae (Ingwergewächse)
Verwendeter Pflanzenteil
Rhizom
Typische Stoffgruppe
Curcuminoide
Bekannter Einzelstoff
Curcumin

Was ist Kurkuma?

Curcuma longa mit orangefarbenen Rhizomen im Boden und grünen Blättern

Kurkuma ist eine mehrjährige, rhizombildende Pflanze aus der Familie der Ingwergewächse. Das kräftig gelb-orange Rhizom wird als Gewürz, Farbstoff und Pflanzenrohstoff genutzt. Kew beschreibt Curcuma longa als Kulturpflanze mit Ursprung in Südwestindien und als rhizombildenden Geophyten.

Die intensive gelb-orange Farbe des Rhizoms hängt wesentlich mit Curcuminoiden zusammen. Curcumin ist der bekannteste Vertreter dieser Stoffgruppe, aber nicht der einzige Bestandteil des Rhizoms.

Rhizom statt „Wurzel“

Im Alltag ist oft von „Kurkumawurzel“ die Rede. Botanisch handelt es sich beim charakteristischen orangefarbenen Speicherorgan jedoch um ein Rhizom, also einen unterirdischen Spross.

Diese Unterscheidung ist mehr als eine botanische Feinheit: Für eine präzise Rohstoffbeschreibung sollte der tatsächlich verwendete Pflanzenteil genannt werden. Die EMA bezeichnet den pflanzlichen Arzneistoff entsprechend als Curcuma longa L., rhizoma.

Kurkuma, Curcuminoide und Curcumin – was ist der Unterschied?

Frisches Kurkuma-Rhizom mit Kurkumapulver und goldfarbenem Pflanzenextrakt

Die Begriffe werden häufig vermischt, bezeichnen aber unterschiedliche Ebenen:

Kurkuma

Die Pflanze beziehungsweise ihr verwendetes Rhizom.

Curcuminoide

Eine Gruppe gelb-orangefarbener Pflanzenstoffe innerhalb des Rhizoms.

Curcumin

Ein einzelner, besonders bekannter Vertreter der Curcuminoide.

Daraus folgt: Kurkumapulver, Kurkumaextrakt und ein stark auf Curcuminoide oder Curcumin angereicherter Extrakt sind analytisch nicht dasselbe. Bei Studien und Produktvergleichen muss deshalb genau betrachtet werden, welche Zubereitung tatsächlich verwendet wurde.

Bioverfügbarkeit – warum die Formulierung wichtig ist

Bioverfügbarkeit beschreibt vereinfacht, welcher Anteil eines aufgenommenen Stoffes dem Körper nach Aufnahme und Verarbeitung tatsächlich zur Verfügung steht. Bei oral aufgenommenem Curcumin ist diese Bioverfügbarkeit in konventionellen Formulierungen begrenzt.

Deshalb wurden unterschiedliche Formulierungen entwickelt, die die Aufnahme verändern sollen – beispielsweise durch Kombination mit anderen Stoffen oder durch spezielle Trägersysteme. Das macht die wissenschaftliche Einordnung anspruchsvoller: Zwei Studien können beide „Curcumin“ untersuchen und dennoch sehr unterschiedliche Formulierungen verwenden.

Eine methodische Untersuchung von 171 systematischen Reviews kam zu dem Ergebnis, dass Unterschiede der Bioverfügbarkeit in der Evidenzsynthese häufig nicht ausreichend berücksichtigt wurden. Für die Interpretation von Forschungsergebnissen ist die konkrete Formulierung daher ein zentraler Kontextfaktor.

Was sagt die Forschung zu Kurkuma und Curcumin?

Curcuma longa und Kurkuma-Rhizome auf einem botanischen Forschungstisch mit Mikroskop

Kurkuma und Curcumin gehören zu den intensiv untersuchten pflanzlichen Stoffen. Gleichzeitig unterscheiden sich klinische Studien stark in Extrakt, Curcuminoid-Gehalt, Dosierung, Formulierung, Bioverfügbarkeit, Studiendauer und untersuchter Personengruppe.

Das US-amerikanische National Center for Complementary and Integrative Health (NCCIH) fasst zusammen, dass zahlreiche Studien durchgeführt wurden, die Datenlage aber nicht ausreicht, um für gesundheitliche Einsatzgebiete pauschal definitive Schlussfolgerungen zu ziehen. Das NCCIH weist außerdem darauf hin, dass hoch bioverfügbare Curcumin-Formulierungen in einzelnen Fällen mit Leberschäden in Verbindung gebracht wurden.

Die EMA führt eine EU-Kräutermonographie zu Curcuma longa L., rhizoma. Ein finales Addendum zum Bewertungsbericht wurde am 29. Januar 2026 veröffentlicht und am 10. Februar 2026 aktualisiert.

Wissenschaftlich einordnen

EMA-Monographie

Die EMA bewertet Curcuma longa L., rhizoma im Rahmen pflanzlicher Arzneimittel. Diese regulatorische Bewertung ist nicht gleichbedeutend mit zugelassenen gesundheitsbezogenen Aussagen für Nahrungsergänzungsmittel.

Kurkuma ist nicht gleich Curcumin

Ergebnisse mit isolierten oder stark angereicherten Curcumin-Zubereitungen lassen sich nicht automatisch auf gewöhnliches Kurkumapulver übertragen.

Formulierung und Bioverfügbarkeit zählen

Unterschiedliche Formulierungen können die Aufnahme von Curcumin deutlich verändern. Für Studienvergleiche muss deshalb betrachtet werden, welche Zubereitung tatsächlich untersucht wurde.

Sicherheit braucht Produktspezifik

Das BfR weist darauf hin, dass Curcumin-haltige Nahrungsergänzungsmittel je nach Dosierung und Zusammensetzung unterschiedlich zu bewerten sind. Bei gemeldeten Leberschädigungen blieb die genaue Ursache teils unklar; mögliche Beiträge durch Curcumin, Piperin, Arzneimittelinteraktionen oder weitere Bestandteile wurden diskutiert.

Sachliche Sicherheits-Infobox

Gewürzmengen, Kurkumapulver und konzentrierte Curcumin-Zubereitungen sind nicht gleichzusetzen.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist darauf hin, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Curcumin je nach Dosierung und Formulierung zu einer hohen Aufnahme führen können. Bei einigen gemeldeten Fällen von Leberschädigung wurde ein Zusammenhang mit entsprechenden Produkten für möglich oder wahrscheinlich gehalten, wobei die genaue Ursache nicht eindeutig geklärt war.

Piperin aus schwarzem Pfeffer wird manchen Präparaten zugesetzt, um die Bioverfügbarkeit anderer Stoffe zu erhöhen. Das BfR weist zugleich darauf hin, dass isoliertes Piperin in Nahrungsergänzungsmitteln Wechselwirkungen mit Arzneimitteln beeinflussen kann.

Diese Informationen dienen der wissenschaftlichen Einordnung verschiedener Zubereitungsformen und nicht als Bewertung eines konkreten Sonnesee Produkts.

FAQ

Ist Kurkuma dasselbe wie Curcumin?

Nein. Kurkuma bezeichnet die Pflanze Curcuma longa beziehungsweise ihr Rhizom. Curcumin ist dagegen nur einer von mehreren Curcuminoiden, die im Rhizom vorkommen. Ein Kurkuma-Pulver enthält das natürliche Stoffgemisch des getrockneten Rhizoms, während bestimmte Extrakte deutlich stärker auf Curcuminoide konzentriert sein können. Deshalb sollten Kurkuma, Kurkuma-Extrakt und Curcumin nicht als identische Rohstoffformen betrachtet werden.

Welcher Pflanzenteil wird bei Kurkuma verwendet?

Verwendet wird hauptsächlich das Rhizom von Curcuma longa. Obwohl umgangssprachlich häufig von „Kurkuma-Wurzel“ gesprochen wird, handelt es sich botanisch um einen unterirdischen Spross. Für wissenschaftliche Beschreibungen und Rohstoffspezifikationen ist diese Unterscheidung sinnvoll. Ein klar definierter Pflanzenteil erleichtert außerdem den Vergleich verschiedener Pulver, Extrakte und Studien.

Warum unterscheiden sich Kurkuma-Extrakte?

Kurkuma-Extrakte können sich in mehreren Punkten unterscheiden: Extraktionsverfahren, Droge-Extrakt-Verhältnis, Extraktionsmittel, Curcuminoid-Gehalt und Formulierung. Dadurch können zwei Produkte mit derselben Extraktmenge in Milligramm analytisch sehr unterschiedlich sein. Auch Studienergebnisse gelten zunächst für die konkret untersuchte Zubereitung. Für einen sinnvollen Vergleich sollte deshalb nicht nur die Mengenangabe betrachtet werden.

Was bedeutet Bioverfügbarkeit bei Curcumin?

Bioverfügbarkeit beschreibt vereinfacht, welcher Anteil eines aufgenommenen Stoffes dem Körper nach der Einnahme tatsächlich zur Verfügung steht. Curcumin wird nur begrenzt aufgenommen und rasch weiterverarbeitet. Deshalb existieren unterschiedliche Formulierungen, die seine Aufnahme verändern können. Diese Unterschiede sind auch bei der Interpretation wissenschaftlicher Studien wichtig, weil Ergebnisse verschiedener Curcumin-Formulierungen nicht automatisch direkt vergleichbar sind.

Warum wird bei Curcumin häufig Piperin erwähnt?

Piperin ist ein Bestandteil des schwarzen Pfeffers und wird manchen Curcumin-Zubereitungen zugesetzt, weil es die Aufnahme bestimmter Stoffe beeinflussen kann. Dadurch kann sich jedoch nicht nur die Curcumin-Bioverfügbarkeit verändern. Auch mögliche Wechselwirkungen mit anderen Substanzen können relevanter werden. Deshalb sollte eine Curcumin-Formulierung immer als Gesamtsystem betrachtet werden und nicht nur anhand der Curcumin-Menge.

Quellen

Hinweis

Diese Seite dient der allgemeinen Information über Kurkuma (Curcuma longa) und den aktuellen Stand der Forschung. Sie stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.

Kurkuma-Rhizom, Scheiben, Kurkumapulver und flüssiger Pflanzenextrakt in einer klaren Darstellung

Pflanzenextrakte verstehenWorauf kommt es bei Pflanzenextrakten wirklich an?

Kurkuma kann als gemahlenes Rhizom, als Pflanzenextrakt oder als stärker auf Curcuminoide konzentrierte Zubereitung angeboten werden. Diese Formen sind nicht automatisch miteinander vergleichbar. Besonders bei Curcuma longa spielen Ausgangsmaterial, Curcuminoid-Gehalt und Formulierung eine wichtige Rolle.

Ausgangsmaterial: das Rhizom

Bei Curcuma longa wird hauptsächlich das Rhizom verwendet. Umgangssprachlich wird häufig von „Kurkuma-Wurzel“ gesprochen, botanisch handelt es sich jedoch um einen unterirdischen Spross. Für wissenschaftliche Beschreibungen und Rohstoffspezifikationen sollte der tatsächliche Pflanzenteil möglichst genau angegeben werden.

Kurkuma-Pulver oder Extrakt?

Kurkuma-Pulver besteht aus getrocknetem und vermahlenem Rhizom und enthält das natürliche Stoffgemisch des Ausgangsmaterials. Ein Extrakt entsteht durch zusätzliche Verarbeitung, bei der bestimmte Stoffgruppen stärker konzentriert werden können. Deshalb lassen sich beispielsweise 500 mg Kurkuma-Pulver nicht direkt mit 500 mg eines konzentrierten Extrakts vergleichen.

Curcuminoide und Curcumin

Curcuminoide sind eine Gruppe charakteristischer Pflanzenstoffe des Kurkuma-Rhizoms. Curcumin ist einer ihrer bekanntesten Vertreter. Die Angabe „Kurkuma“ bedeutet deshalb nicht automatisch, dass ein Produkt einen bestimmten Curcumin-Gehalt besitzt.

DER und Extraktionsmittel

Das Droge-Extrakt-Verhältnis beschreibt die Beziehung zwischen eingesetztem Pflanzenmaterial und gewonnenem Extrakt. Das Extraktionsmittel beeinflusst zusätzlich, welche Bestandteile aus dem Rhizom in den Extrakt übergehen. Beide Angaben helfen dabei, unterschiedliche Kurkuma-Extrakte genauer zu verstehen.

Formulierung und Bioverfügbarkeit

Bei Curcumin kann auch die Formulierung eine wichtige Rolle spielen. Unterschiedliche technische Systeme können beeinflussen, wie Curcumin nach der Einnahme aufgenommen und weiterverarbeitet wird. Deshalb können Studien mit verschiedenen Curcumin-Formulierungen nicht automatisch miteinander gleichgesetzt werden.

Warum reicht die mg-Angabe nicht?

500 mg Kurkuma-Pulver, 500 mg Kurkuma-Extrakt und 500 mg einer hoch konzentrierten Curcuminoid-Zubereitung beschreiben unterschiedliche Rohstofftypen. Für einen sinnvollen Vergleich sind zusätzlich Extraktart, DER, Curcuminoid-Gehalt, Standardisierung und Formulierung relevant.