Pflanzenextrakt

Löwenzahn (Taraxacum officinale) – Wurzel, Kraut und Extrakte verstehen

Löwenzahn ist eine ausdauernde Pflanze aus der Familie der Korbblütler. Botanisch wird sie meist als Taraxacum officinale bezeichnet; für pflanzliche Zubereitungen werden je nach Kontext vor allem die Wurzel sowie Wurzel zusammen mit dem Kraut verwendet. Für die Einordnung eines Löwenzahn-Rohstoffs ist deshalb entscheidend, welcher Pflanzenteil tatsächlich eingesetzt wurde und wie daraus Pulver oder Extrakt hergestellt wurde.

Blühender Löwenzahn mit gelben Blüten und Samenständen in einer natürlichen Wiesenlandschaft

Auf einen Blick

Botanischer Name
Taraxacum officinale F.H.Wigg. (in EMA-Monographien)
Deutscher Name
Löwenzahn
Pflanzenfamilie
Asteraceae
Verwendete Pflanzenteile
vor allem Wurzel; außerdem Wurzel mit Kraut
Typische Stoffgruppen
u. a. Sesquiterpenlactone, phenolische Verbindungen, Flavonoide und weitere Pflanzenstoffe
Rohstoffformen
getrocknete Wurzel, Pulver, Wurzel mit Kraut, verschiedene Extrakte

Was ist Löwenzahn?

Löwenzahn ist eine weit verbreitete, ausdauernde Pflanze mit gezähnten Blättern, gelben Blütenköpfen und einer kräftigen Pfahlwurzel. Er kommt vor allem in gemäßigten Regionen vor und ist sowohl als Wildpflanze als auch als traditionell genutztes Pflanzenmaterial bekannt. Wissenschaftlich ist wichtig, dass unter dem Namen „Löwenzahn“ unterschiedliche Pflanzenteile und Zubereitungen untersucht werden können. Ergebnisse zu einer Wurzelzubereitung lassen sich deshalb nicht automatisch auf Blatt, Kraut oder einen anders hergestellten Extrakt übertragen.

Wurzel, Kraut oder ganze Pflanze?

Löwenzahn mit Blättern, Blüte und freigelegter Pfahlwurzel

Bei Löwenzahn sollte der verwendete Pflanzenteil immer genau angegeben werden. Die EMA führt sowohl eine Monographie zur Löwenzahnwurzel (Taraxaci officinalis radix) als auch eine Monographie zu Wurzel mit Kraut (Taraxaci radix cum herba). Wurzel und oberirdisches Kraut unterscheiden sich in ihrer natürlichen Zusammensetzung. Für Rohstoffvergleich, Forschung und Qualitätskontrolle ist diese Unterscheidung deshalb grundlegender als eine reine Milligramm-Angabe.

Welche Pflanzenstoffe kommen vor?

Löwenzahnwurzel, getrocknetes Pflanzenmaterial, Pulver und Pflanzenextrakt

Die wissenschaftliche Literatur beschreibt für Taraxacum eine breite Vielfalt an Inhaltsstoffen. Dazu gehören unter anderem Sesquiterpenlactone, phenolische Verbindungen, Flavonoide, Phytosterole und weitere sekundäre Pflanzenstoffe. Welche Stoffgruppen in einem konkreten Rohstoff besonders vertreten sind, hängt unter anderem von Pflanzenteil, Herkunft, Ernte, Trocknung und Extraktionsverfahren ab. Eine einzelne Markerangabe beschreibt deshalb nie das vollständige Pflanzenprofil.

Was sagt die Forschung?

Löwenzahn in einer botanischen Forschungsszene mit Pflanzenmaterial und Laborgefäßen

Löwenzahn wird in der wissenschaftlichen Literatur breit untersucht, allerdings mit sehr unterschiedlichen Ausgangsmaterialien und Studiendesigns. Reviews befassen sich mit Phytochemie, traditionellen Anwendungen und möglichen biologischen Eigenschaften verschiedener Taraxacum-Arten. Gleichzeitig ist die Übertragbarkeit begrenzt, wenn unterschiedliche Arten, Pflanzenteile, Extrakte oder vorwiegend präklinische Daten gemeinsam betrachtet werden. Für eine sachliche Einordnung sollten deshalb immer die konkret untersuchte Zubereitung und die Art der Evidenz genannt werden.

Wissenschaftlich einordnen

EMA-Monographien

Die EMA hat pflanzliche Arzneimonographien zur Löwenzahnwurzel sowie zu Wurzel mit Kraut veröffentlicht. Diese Dokumente beschreiben pflanzliche Arzneizubereitungen und sind nicht mit einer Health-Claim-Freigabe für Nahrungsergänzungsmittel gleichzusetzen.

Pflanzenteil zählt

Wurzel, Kraut und Kombinationen aus Wurzel mit Kraut sind botanisch und analytisch nicht identisch. Studienergebnisse sollten daher nur auf vergleichbare Rohstoffe übertragen werden.

Extrakt zählt

Ein Pulver aus getrockneter Wurzel ist nicht dasselbe wie ein Trockenextrakt. Extraktionsmittel und Herstellungsverfahren beeinflussen das resultierende Stoffprofil.

Evidenz richtig lesen

In-vitro- oder Tierdaten sind nicht mit klinischer Evidenz beim Menschen gleichzusetzen. Auch systematische Reviews können durch heterogene Rohstoffe und unterschiedliche Studiendesigns begrenzt sein.

FAQ

Ist Löwenzahn dasselbe wie Taraxacum officinale?

Ja. Taraxacum officinale ist die in Arzneimonographien und vielen wissenschaftlichen Quellen verwendete botanische Bezeichnung für den gewöhnlichen Löwenzahn. Botanische Taxonomie kann bei der sehr artenreichen Gattung Taraxacum komplex sein, weshalb genaue Quellenangaben hilfreich sind. Für Verbraucher ist besonders wichtig, dass auf einem Rohstoff zusätzlich der verwendete Pflanzenteil genannt wird, etwa Wurzel oder Wurzel mit Kraut.

Welcher Teil des Löwenzahns wird verwendet?

Bei pflanzlichen Zubereitungen wird häufig die Löwenzahnwurzel verwendet. Daneben gibt es Zubereitungen aus Wurzel zusammen mit dem Kraut. Die EMA führt für beide Rohstoffformen eigene Dokumente. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil unterirdische Wurzel und oberirdisches Kraut unterschiedliche Stoffprofile besitzen können. Wer Produkte oder Studien vergleicht, sollte daher zuerst auf die Pflanzenteil-Angabe achten.

Ist Löwenzahnwurzel-Pulver dasselbe wie Löwenzahn-Extrakt?

Nein. Pulver entsteht durch Trocknen und Zerkleinern des Pflanzenmaterials und enthält einen großen Teil des ursprünglichen Rohstoffs. Bei einem Extrakt werden mit einem definierten Verfahren bestimmte lösliche Bestandteile aus der Wurzel oder einem anderen Pflanzenteil herausgelöst und gegebenenfalls konzentriert. Deshalb können 500 mg Wurzelpulver und 500 mg Trockenextrakt in Zusammensetzung und Konzentration deutlich verschieden sein.

Welche Pflanzenstoffe enthält Löwenzahn?

Für Taraxacum-Arten werden in der Literatur zahlreiche Stoffgruppen beschrieben, darunter Sesquiterpenlactone, phenolische Verbindungen, Flavonoide, Phytosterole und weitere sekundäre Pflanzenstoffe. Das genaue Profil variiert jedoch je nach Pflanzenteil, Art, Herkunft und Verarbeitung. Eine Liste einzelner Inhaltsstoffe sollte deshalb nicht so verstanden werden, als wäre jeder Löwenzahn-Rohstoff analytisch identisch.

Was bedeutet eine EMA-Monographie zu Löwenzahn?

Eine EMA-Kräutermonographie bewertet definierte pflanzliche Arzneizubereitungen und fasst regulatorische sowie wissenschaftliche Informationen für diesen Arzneimittelkontext zusammen. Für Löwenzahn existieren Dokumente unter anderem zur Wurzel und zu Wurzel mit Kraut. Daraus dürfen nicht automatisch gesundheitsbezogene Werbeaussagen für Nahrungsergänzungsmittel abgeleitet werden, da Arzneimittel- und Lebensmittelrecht unterschiedliche Anforderungen haben.

Quellen

Hinweis

Diese Seite dient der allgemeinen Information über Löwenzahn (Taraxacum officinale) und den aktuellen Stand der Forschung. Sie stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.

Löwenzahnwurzel und Kraut neben Pulver und Extrakt als Darstellung verschiedener Rohstoffformen

Pflanzenextrakte verstehenWorauf kommt es bei Pflanzenextrakten wirklich an?

Bei Löwenzahn ist die genaue Rohstoffbezeichnung besonders wichtig. Wurzel, Kraut, Wurzel mit Kraut, Pflanzenpulver und Extrakt sind keine austauschbaren Begriffe. Erst Angaben zu Pflanzenteil, Extraktionsverfahren, Droge-Extrakt-Verhältnis und möglicher Standardisierung ermöglichen eine sinnvolle Einordnung verschiedener Löwenzahn-Zubereitungen.

Ausgangsmaterial: Wurzel oder Wurzel mit Kraut?

Die Löwenzahnwurzel ist ein klar definierter pflanzlicher Rohstoff. Daneben werden Zubereitungen beschrieben, bei denen die Wurzel zusammen mit dem oberirdischen Kraut verwendet wird. Diese Ausgangsmaterialien sollten nicht gleichgesetzt werden, da unterschiedliche Pflanzenteile verschiedene natürliche Stoffprofile besitzen können. Bei Studien oder Produkten ist daher die Pflanzenteil-Angabe der erste Schritt für einen sinnvollen Vergleich.

Pulver und Extrakt sind nicht dasselbe

Ein Löwenzahn-Pulver entsteht durch Trocknen und Zerkleinern des Pflanzenmaterials. Ein Extrakt wird dagegen mit einem definierten Verfahren hergestellt, bei dem bestimmte lösliche Bestandteile aus dem Rohstoff herausgelöst und eventuell konzentriert werden. Deshalb beschreiben 500 mg Wurzelpulver und 500 mg Löwenzahn-Extrakt nicht automatisch dieselbe Menge oder Zusammensetzung an Pflanzenstoffen.

Was bedeutet DER?

DER steht für Droge-Extrakt-Verhältnis und beschreibt vereinfacht die Beziehung zwischen eingesetztem pflanzlichem Ausgangsmaterial und der daraus gewonnenen Extraktmenge. Diese Angabe hilft, einen Extrakt genauer zu charakterisieren. Ein höheres DER ist jedoch nicht automatisch gleichbedeutend mit besserer Qualität, weil auch Extraktionsmittel, Herstellungsprozess und das tatsächliche Stoffprofil des fertigen Extrakts berücksichtigt werden müssen.

Extraktionsmittel

Das Extraktionsmittel beeinflusst, welche Bestandteile besonders gut aus Wurzel oder Kraut in den Extrakt übergehen. Wasser, Alkohol-Wasser-Gemische oder andere geeignete Verfahren können unterschiedliche Extraktprofile erzeugen. Zwei Produkte mit der Angabe „Löwenzahn-Extrakt“ können deshalb trotz gleicher Pflanzenart analytisch unterschiedlich zusammengesetzt sein.

Standardisierung und Qualitätsmerkmale

Pflanzenextrakte können über analytische Marker oder definierte Stoffgruppen näher charakterisiert werden. Eine Standardisierung soll bestimmte Werte innerhalb festgelegter Bereiche halten und damit die Reproduzierbarkeit eines konkreten Extrakttyps verbessern. Sie bedeutet jedoch nicht, dass alle standardisierten Löwenzahn-Extrakte identisch sind. Pflanzenteil, Rohstoffqualität und Herstellungsverfahren bleiben weiterhin relevant.

Warum reicht die mg-Angabe nicht?

Die Angabe „500 mg Löwenzahn“ kann je nach Produkt getrocknete Wurzel, Pulver, eine Kombination aus Wurzel und Kraut oder einen konzentrierten Extrakt beschreiben. Für einen sinnvollen Vergleich sollten deshalb Pflanzenteil, Extrakttyp, DER, Extraktionsmittel und gegebenenfalls Standardisierung gemeinsam betrachtet werden.