Auf einen Blick
- Botanischer Name
- Vitis vinifera L.
- Deutscher Name
- Weinrebe / rote Weinblätter
- Pflanzenfamilie
- Vitaceae
- Verwendeter Pflanzenteil
- Blatt
- Typische Stoffgruppen
- Flavonoide, Anthocyane, Proanthocyanidine
- Wuchsform
- verholzende Kletterpflanze / Liane
Was sind rote Weinblätter?
Rote Weinblätter sind keine eigene Pflanzenart. Sie stammen von der Weinrebe Vitis vinifera L. und bezeichnen Blätter, die im Verlauf der Reifung beziehungsweise im Herbst eine rote bis purpurfarbene Färbung entwickeln. Kew führt Vitis vinifera als akzeptierte Art der Familie Vitaceae und beschreibt ihr natürliches Verbreitungsgebiet von Südost- und südlichem Mitteleuropa bis nach Zentralasien und Nordiran.
Die rote Färbung hängt mit Veränderungen im pflanzlichen Pigmentprofil zusammen. Für die Herstellung von Pflanzenpräparaten sind jedoch nicht nur Farbe und Pflanzenart wichtig, sondern auch Erntezeitpunkt, Trocknung, Extraktionsmittel und Standardisierung.
Welcher Pflanzenteil wird verwendet?

Die EMA führt die Arzneidroge unter der Bezeichnung Vitis viniferae folium – Weinrebenblatt. Die bewerteten Zubereitungen umfassen unter anderem getrocknete und zerkleinerte beziehungsweise pulverisierte Blätter sowie bestimmte wässrige Extrakte.
Daraus folgt: „Rotes Weinblatt“ beschreibt zunächst das pflanzliche Ausgangsmaterial. Ob ein Produkt Blattpulver, einen Trockenextrakt oder eine spezifisch standardisierte Zubereitung enthält, ist eine separate Frage.
Welche Pflanzenstoffe kommen in roten Weinblättern vor?

In Weinblättern wurden verschiedene Polyphenole beschrieben. Dazu gehören unter anderem:
- Flavonoide beziehungsweise Flavonolglykoside,
- Anthocyane,
- Proanthocyanidine,
- Tannine,
- sowie Stilbene.
Im EMA-Assessment werden beispielsweise Quercetin-Glykoside als charakteristische Flavonoidbestandteile genannt. Die Konzentrationen einzelner Stoffgruppen können jedoch je nach Sorte, Herkunft, Erntezeitpunkt und Verarbeitung deutlich schwanken.
Rotes Blatt, Pulver und Extrakt – was ist der Unterschied?
Ein getrocknetes rotes Weinblatt enthält das natürliche Spektrum des Blattes. Ein Pulver ist lediglich zerkleinertes Blattmaterial. Bei einem Extrakt werden dagegen bestimmte lösliche Bestandteile aus dem Blatt herausgelöst und konzentriert.
Deshalb lassen sich ein Blattpulver und ein standardisierter Trockenextrakt nicht allein anhand derselben Milligramm-Menge vergleichen. Auch zwei Extrakte können unterschiedliche Profile aufweisen, wenn verschiedene Extraktionsmittel, DER-Werte oder Standardisierungen eingesetzt werden.
Was sagt die Forschung?

Rote-Weinlaub-Extrakte wurden insbesondere in klinischen Studien zu venösen Beschwerden untersucht. Wichtig ist dabei die Präparatespezifität: Ein Teil der klinischen Literatur bezieht sich auf den konkreten Extrakt AS 195. Eine systematische Übersichtsarbeit von 2020 wertete fünf Studien zu diesem Extrakt aus. In einzelnen Studien wurden Verbesserungen bestimmter Messgrößen und Beschwerden beobachtet; die Autoren betonten zugleich, dass weitere hochwertige Studien notwendig sind.
Die EMA unterscheidet in ihrer Bewertung zwischen gut etablierter und traditioneller arzneilicher Verwendung bestimmter Weinblattzubereitungen. Diese arzneimittelrechtliche Bewertung darf nicht pauschal auf jedes Nahrungsergänzungsmittel oder jeden beliebigen Weinblattextrakt übertragen werden.
Wissenschaftlich einordnen
FAQ
Sind Rote Weinblätter eine eigene Rebsorte?
Nein. „Rote Weinblätter“ bezeichnet keine eigene Rebsorte. Gemeint sind Blätter der Weinrebe Vitis vinifera L., die sich im Verlauf der Vegetationsperiode rötlich bis violett verfärben können. Für pflanzliche Rohstoffe ist deshalb nicht nur die Pflanzenart entscheidend. Auch Blattmaterial, Erntezeitpunkt und Verarbeitung können die Zusammensetzung beeinflussen und sind wichtig, wenn unterschiedliche Rohstoffe oder Extrakte miteinander verglichen werden.
Welcher Teil der Weinrebe wird verwendet?
Bei Roten Weinblättern wird das Blatt der Weinrebe Vitis vinifera verwendet. Dies unterscheidet den Rohstoff beispielsweise von Traubenkernen, Traubenfrüchten oder anderen Bestandteilen derselben Pflanze. Da unterschiedliche Pflanzenteile jeweils eigene Stoffprofile besitzen, sollte bei wissenschaftlichen Quellen und Extrakten immer klar erkennbar sein, welches Pflanzenmaterial tatsächlich untersucht oder verarbeitet wurde.
Welche Pflanzenstoffe kommen typischerweise in Roten Weinblättern vor?
Rote Weinblätter enthalten verschiedene polyphenolische Pflanzenstoffe. Dazu gehören unter anderem Flavonoide und – abhängig von Rohstoff und Färbungsgrad – Anthocyane sowie weitere phenolische Verbindungen. Die genaue Zusammensetzung ist jedoch nicht bei jedem Blattmaterial identisch. Sorte, Standort, Erntezeitpunkt, Trocknung und Extraktionsverfahren können das analytische Profil beeinflussen. Deshalb beschreibt die Angabe „Rote-Weinblätter-Extrakt“ allein noch nicht vollständig die Zusammensetzung eines Extrakts.
Sind alle Rote-Weinblätter-Extrakte gleich?
Nein. Extraktionsmittel, Droge-Extrakt-Verhältnis, Standardisierung, Erntezeitpunkt und Qualität des Ausgangsmaterials können sich unterscheiden. Dadurch können zwei Extrakte trotz derselben botanischen Pflanze unterschiedliche Stoffprofile besitzen. Wissenschaftliche Ergebnisse gelten zunächst für den tatsächlich untersuchten Extrakt. Sie sollten deshalb nicht automatisch auf jede beliebige Rote-Weinblätter-Zubereitung übertragen werden.
Was bedeutet die EMA-Bewertung von Roten Weinblättern?
Die EMA bewertet bestimmte Zubereitungen aus Vitis-vinifera-Blättern im Zusammenhang mit pflanzlichen Arzneimitteln. Solche Monographien helfen dabei, verwendetes Pflanzenmaterial und untersuchte Zubereitungen wissenschaftlich einzuordnen. Eine Arzneimittelmonographie ist jedoch keine automatische Health-Claim-Freigabe für Nahrungsergänzungsmittel. Aussagen auf Lebensmittel- und Nahrungsergänzungsmittel-Webseiten müssen separat nach den dafür geltenden Vorschriften bewertet werden.
Quellen
[1] Royal Botanic Gardens, Kew – Vitis vinifera L., Plants of the World Online:
[2] European Medicines Agency – Vitis viniferae folium:
[3] EMA/HMPC – Final assessment report on Vitis vinifera L., folium – Revision 1, 2018 (linked on the EMA monograph page).
[4] EMA/HMPC – Final addendum to assessment report on Vitis vinifera L., folium – Revision 1, published 2025 (linked on the EMA monograph page).
Hinweis
Diese Seite dient der allgemeinen Information über Rote Weinblätter (Vitis vinifera) und den aktuellen Stand der Forschung. Sie stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine Diagnose oder Behandlung durch medizinisches Fachpersonal.

Pflanzenextrakte verstehenWorauf kommt es bei Pflanzenextrakten wirklich an?
Rote Weinblätter stammen von Vitis vinifera. Für die Bewertung eines Rohstoffs reicht die Bezeichnung „Rote Weinblätter“ allein jedoch nicht aus. Erntezeitpunkt, Verarbeitung, Extraktionsverfahren und Standardisierung können beeinflussen, wie das pflanzliche Ausgangsmaterial und ein daraus hergestellter Extrakt zusammengesetzt sind.
Ausgangsmaterial: Weinblätter
Verwendet werden Blätter der Weinrebe Vitis vinifera. „Rote Weinblätter“ sind keine eigene Pflanzenart. Für wissenschaftliche Rohstoffe sollte möglichst klar beschrieben werden, welche Blätter verwendet und wie sie nach der Ernte verarbeitet wurden.
Warum spielt der Erntezeitpunkt eine Rolle?
Pflanzenmaterial ist kein chemisch völlig konstantes Ausgangsmaterial. Reifegrad, Standort, Jahreszeit und Erntezeitpunkt können das natürliche Stoffprofil beeinflussen. Deshalb können unterschiedliche Rote-Weinblätter-Rohstoffe trotz gleicher botanischer Art analytische Unterschiede aufweisen.
Pulver und Extrakt
Getrocknete und gemahlene Weinblätter behalten einen großen Teil des ursprünglichen Pflanzenmaterials. Bei einem Extrakt werden bestimmte lösliche Bestandteile mit einem definierten Verfahren aus dem Blattmaterial herausgelöst und gegebenenfalls konzentriert. Blattpulver und konzentrierter Blattextrakt sind deshalb nicht direkt anhand ihrer Milligramm-Angabe vergleichbar.
DER und Extraktionsmittel
Das Droge-Extrakt-Verhältnis beschreibt die quantitative Beziehung zwischen eingesetztem Blattmaterial und gewonnenem Extrakt. Das Extraktionsmittel beeinflusst gleichzeitig, welche Pflanzenstoffe besonders gut in den Extrakt übergehen. Nur gemeinsam betrachtet helfen diese Angaben, einen Extrakt sinnvoll zu charakterisieren.
Standardisierung und Pflanzenstoffe
Rote Weinblätter enthalten verschiedene polyphenolische Pflanzenstoffe. Ein standardisierter Extrakt kann bestimmte analytische Marker oder Stoffgruppen innerhalb definierter Bereiche halten. Das verbessert die Beschreibung eines konkreten Extrakts, bedeutet aber nicht, dass alle Weinblätter-Extrakte dieselbe Gesamtzusammensetzung besitzen.
Warum reicht die mg-Angabe nicht?
Zwei Produkte mit jeweils 300 mg Rote-Weinblätter-Extrakt können unterschiedlich hergestellt worden sein. Unterschiedliche Blattqualitäten, DER-Werte, Extraktionsmittel und Standardisierungen können zu unterschiedlichen Extraktprofilen führen. Deshalb sollten immer mehrere Rohstoffparameter gemeinsam betrachtet werden.
