← Wissen Grundlagenwissen

Was bedeutet Bioverfügbarkeit?
Einfach erklärt

Bioverfügbarkeit beschreibt vereinfacht, welcher Anteil eines Stoffes nach der Aufnahme tatsächlich für den Körper verfügbar wird. Sie hängt von mehr ab als nur von der Menge auf dem Etikett.

Abwechslungsreiche Mahlzeit als Ausgangspunkt der Nährstoffaufnahme

Kurz erklärt

Der Begriff Bioverfügbarkeit beschreibt, welcher Anteil eines aufgenommenen Stoffes dem Körper nach Aufnahme und Verarbeitung tatsächlich zur Verfügung steht.

Bei Nährstoffen bedeutet das: Die Menge, die wir essen, ist nicht automatisch identisch mit der Menge, die aufgenommen und genutzt werden kann.

Die Bioverfügbarkeit kann unter anderem von der chemischen Form eines Nährstoffs, der Lebensmittelmatrix, anderen Bestandteilen der Mahlzeit und individuellen Faktoren beeinflusst werden.

Auf einen Blick

Aufnahme
Nicht alles, was gegessen wird, gelangt vollständig in den Körper.

Lebensmittelmatrix
Die Struktur eines Lebensmittels kann eine Rolle spielen.

Wechselwirkungen
Andere Nahrungsbestandteile können die Aufnahme beeinflussen.

Individuell
Bioverfügbarkeit ist keine feste Zahl für jede Situation.

Was passiert zwischen Essen und Aufnahme?

Abstrakte Darstellung der Aufnahme von Nährstoffen über die Darmwand

Bevor ein Nährstoff genutzt werden kann, muss er aus dem Lebensmittel freigesetzt, durch Verdauungsprozesse verfügbar gemacht und über den Darm aufgenommen werden.

Danach folgen Transport, Umbau, Speicherung oder direkte Nutzung im Stoffwechsel.

An mehreren dieser Schritte können Unterschiede entstehen.

Deshalb ist die Bioverfügbarkeit ein komplexerer Begriff als die reine Nährstoffmenge in einem Lebensmittel.

Welche Rolle spielt die chemische Form?

Ein Nährstoff kann in unterschiedlichen chemischen Verbindungen vorkommen.

Diese Formen können sich beispielsweise in Löslichkeit, Stabilität und Aufnahme unterscheiden.

Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass eine Form in jeder Situation „besser“ ist.

Für die praktische Ernährung sind immer auch Menge, Lebensmittel, Gesamternährung und individuelle Situation relevant.

Was ist die Lebensmittelmatrix?

Lebensmittel bestehen aus komplexen Strukturen.

Proteine, Fette, Kohlenhydrate, Ballaststoffe und andere Bestandteile können beeinflussen, wie leicht ein Nährstoff während der Verdauung freigesetzt wird.

Deshalb kann derselbe Nährstoff in zwei verschiedenen Lebensmitteln unterschiedlich verfügbar sein.

Können sich Nährstoffe gegenseitig beeinflussen?

Lebensmittelkombination mit Hülsenfrüchten Gemüse Zitrusfrüchten und Kaffee

Ja.

Ein bekanntes Beispiel ist Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln.

Vitamin C beziehungsweise Ascorbinsäure kann die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen fördern. Bestimmte Polyphenole, etwa aus Kaffee oder schwarzem Tee, können die Aufnahme dagegen vermindern, wenn sie zeitnah zu einer Mahlzeit aufgenommen werden.

Dieses Beispiel zeigt, dass Bioverfügbarkeit vom Kontext einer gesamten Mahlzeit abhängen kann.

Bedeutet höhere Bioverfügbarkeit automatisch bessere Ernährung?

Nein.

Eine hohe Bioverfügbarkeit ist nur ein Aspekt der Nährstoffversorgung.

Auch die absolute Menge eines Nährstoffs, der individuelle Bedarf, die gesamte Ernährung und langfristige Gewohnheiten sind relevant.

Ein Lebensmittel oder eine Nährstoffform sollte deshalb nicht allein anhand eines einzelnen Bioverfügbarkeitswertes bewertet werden.

Warum sind Studien zur Bioverfügbarkeit schwer vergleichbar?

Wissenschaftliche Untersuchung von Lebensmitteln und Nährstoffen im Labor

Studien können sich deutlich unterscheiden, beispielsweise durch:

  • untersuchte Nährstoffform
  • Dosierung
  • Zusammensetzung der Mahlzeit
  • untersuchte Personengruppe
  • Messmethode
  • Dauer der Untersuchung

Ergebnisse einer bestimmten Studie lassen sich deshalb nicht automatisch auf andere Lebensmittel, Produkte oder Dosierungen übertragen.

Bioverfügbarkeit ist nicht dasselbe wie Wirksamkeit

Bioverfügbarkeit beschreibt Aufnahme und Verfügbarkeit eines Stoffes.

Sie beantwortet nicht automatisch die Frage, ob ein Stoff einen bestimmten gesundheitlichen Effekt hat.

Eine höhere gemessene Aufnahme bedeutet daher nicht automatisch eine bessere gesundheitliche Wirkung.

Diese Unterscheidung ist besonders wichtig bei Werbeaussagen zu einzelnen Nährstoffformen.

Häufige Fragen

Sie beschreibt vereinfacht, welcher Anteil eines aufgenommenen Stoffes dem Körper nach der Aufnahme tatsächlich zur Verfügung steht.

Nein. Die deklarierte Menge beschreibt den Gehalt. Die tatsächliche Aufnahme kann davon abweichen.

Ja. Andere Lebensmittelbestandteile können die Aufnahme bestimmter Nährstoffe fördern oder hemmen.

Nein. Bioverfügbarkeit ist nur ein Teil der Gesamtbewertung.

Vitamin C kann die Aufnahme von Nicht-Häm-Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln fördern.

Nein. Bioverfügbarkeit beschreibt Aufnahme und Verfügbarkeit, nicht automatisch eine gesundheitliche Wirkung.

Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information. Aussagen zur Bioverfügbarkeit lassen sich nicht automatisch auf die Wirkung eines bestimmten Lebensmittels oder Produkts übertragen. Bei individuellen Ernährungs- oder Gesundheitsfragen ist eine fachliche Beratung sinnvoll.

Quellen

  1. European Food Safety Authority (EFSA) — Bioavailability — Glossary
    https://www.efsa.europa.eu/en/glossary/bioavailability
  2. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) — FAQ Eisen
    https://www.dge.de/gesunde-ernaehrung/faq/eisen/
  3. Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) — Eisen
    https://www.dge.de/wissenschaft/referenzwerte/eisen/